Das verflixte Licht sehen



Viele unserer KRÜPO-Practice-Treffen drehen sich darum, dass wir lernen das Licht in unterschiedlichen Umgebungen und Situation zu sehen und dieses in der Gestaltung der Bilder zu nutzen. Diese Lichtsituationen können schon sehr verflixt sein. Wir nennen es deshalb mit Augenzwinkern: „Das verf...te Licht sehen“. Aber Spaß bei Seite. Bei den ganzen Regeln zur Gestaltung von Bildern, ist die Fähigkeit das Licht zu sehen und zu nutzen, die wichtigste Fähigkeit in der Fotografie. Was ganz selbstverständlich ist, wenn man sich die gesetzliche Bezeichnung von künstlerischen Fotografien vor Augen hält: Lichtbildwerk.
Die Einen mögen lieber Studio-Aufnahmen und die Anderen sind lieber Outdoor bzw. On Location unterwegs. Die Einen haben nur ihre Kamera und die Anderen schleppen einen ganzen Equipment-Bollerwagen mit sich herum. Es ist ganz egal welche Vorlieben der Fotograf hat, es kommt auf eines an:

Der Blick für das Licht bestimmt die Qualität der Bildes

Model: Carina Amber

§1 Sehe das Licht, wie Deine Kamera

Die Kamera deutet die Lichtverhältnisse einer Szene mit einer Regel, im Gegensatz zu den menschlichen Augen, die die Szene aus verschiedenen, blitzschnell hintereinander fokussierten Punkten zusammensetzt. Bei jedem dieser Punkte passt sich das Auge den jeweiligen Lichtverhältnissen an und so ergibt sich eine hohe Kontrastreichweite. (Visuelle Wahrnehmung)
Der Fotograf sollte durch Übung wissen, wie sich die Einstellung seiner Kamera auf die Szene vor ihm auswirkt. Jede Kamera verhält sich auf ihre Weise und hat dadurch ihre besonderen Umgang mit der dem Licht der Szene. Die Kenntnis über die Eigenheiten seines Werkzeugs ist wichtig für jeden Fotografen, um in guter Qualität zu fotografieren.

§2  Kenne die aktuelle Einstellung

Gerade bei den neuen digitalen Kameras gibt es viele Schalter und Einstellungen, die sich auf das Bild auswirken. Da ist beim Wechsel der Position und des Blickwinkels schnell vergessen, die Einstellung anzupassen. Typische Fallen für mich sind der Wechseln aus einem Innenraum auf eine Sonnenlichtdurchflutete Terrase. Dabei ist schnell die Korrektur der ISO vergessen. Ich habe Mal einen Videobericht über eine Master-Class von Oliviero Toscani (bekannt für seine Benetton-Kampagne) gesehen, in der er behauptete, dass ein guter Fotograf vor jedem Auslösen die Einstellungen seiner Kamera wissen muss. Er ging soweit, dass ein guter Fotograf nicht einmal einen prüfenden Blick braucht, um es zu wissen, und so immer im Kontakt mit seinem Motiv bleiben kann.

Model: Carina Amber

§3 Kenne das hellste Licht

Beim Fotografieren von Szenen haben die Höhen/Lichter eine Auswirkung auf die Wahrnehmung des Betrachters. Ausgefressene Höhen schaden dem Bild mehr als als schwarze Stellen im Bild. Deshalb gilt es bei der Aufnahme, die Belichtung an den hellen Stellen auszurichten und dunklen Stelln von den wichtigen Information des Motivs weg zu lenken. Jedes Bild braucht Schatten, aber keines überbelichtete Flecken. Künstlerisch kann mit Überbelichtung eine besondere Hitze symbolisiert werden, aber in der Regel wird Überbelichtung als handwerklicher Mangel wahrgenommen. 

§4 Lichtquelle komplett ins Bild

Model: Tony Lohe
Ein besonderes Flair im Bild sind Lichtquellen, die den Betrachter in den Bann ziehen. Der Maler Rembrandt ist bekannt für seine besonders plastischen Gemälde. Doch von ihm stammt auch die Positionierung der Lichtquelle im Bild. Bei dieser Art der Szene, hat der Fotograf den hellsten Punkt im Bild und der Widerschein auf den Abgebildeten orientiert sich an der Quell und ist immer schwächer als Helligkeit der Quelle. Je nachdem wieviel Lichtquellen genutzt werden, kann der Hintergrund komplett im dunkeln verschwinden oder durch weitere Lichter so aufgehellt werden, dass der Kontrast reduziert wird. 








§5 Lichtquelle komplett außerhalb des Bildes

Model: Tony Lohe
Die andere Möglichkeit ist es, die Lichtquelle komplett außerhalb des Bildes zu halten. In diesem Fall ist der hellste Punkt der Widerschein der Haupt-Lichtquelle, was in der Regel das Motiv des Bildes sein sollte. Bei einem Porträt wäre es das Gesicht oder besser die Augen der Person. Bei dieser sehr üblichen Belichtung ist die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Motiv gelenkt.

§6 Licht spiegelt sich in lebenden Augen

Egal auf welche Art von Bilder man schaut, Fotos, Gemälde, Comics oder Mangas. Eines gibt dem Abbild eines Menschen eine besonder Magie. Das ist die Reflektion der Lichtquelle in den Pupillen, denn sie gibt dem Menschen Leben und Ausstrahlung. Deshalb macht es Sinn, auf Form und Position der Lichtquelle zu achten. Bei Reflexion über Wände sieht die Reflexion natürlich anders aus, als wenn das Licht direkt durch ein kleines Fenster fällt.


§7 Zu jeder Tageszeit fotografieren

Viele Fotografen wissen, dass hartes, hohes Mittagslicht ist zu vermeiden. Doch die Wahrheit aus der Praxis ist, dass die goldene oder blaue Stunde unüblich für  Porträt-Sessions ist. Deshalb ist es wichtig einen Ort für das gute Availible-Light-Porträt zu finden. Das kann entweder ein schattiges Plätzchen sein, oder eine Gegenlicht-Aufnahme, bei der das Motiv durch irgend etwas hinter dem Fotografen aufgehellt werden. Zur Not ist sogar die Halten einer Zeitung vollkommen ausreichend. Bei einem Freund habe ich ich sogar einen hellen Fächer dafür genutzt, weil er gerade Griffbereit war.

Model: Froillein Ela (Ela Lerbinger)

§8 Gegenlicht vor dunklem Hintergrund

Fällt das Licht von hinten auf das Motiv, dann verschafft es der Szene einen magischen Kontrast, wenn der Hintergrund dennoch Dunkel ist. Gerade stimmungsvolle Elemente wie Rauch oder Nebel können dabei besonderes wirkungsvoll zur Bildgestaltung genutzt werden. Diese Elemente gehen bei anderer Belichtung in der Regel unter. Im Gegenteil sie verringern sogar die Bildqualität.

§9 Licht hat eine Farbe

Model: Devitha
Das Licht im Bild wird ohne genauen Blick als weiß gesehen. Das ist aber in der Regel nicht korrekt. Weiß sind die überbelichteten Stellen. Alles andere ist eine helle Variante irgendeiner Farbe. Warmes Lichts ist gelbliche bis rötlich und kaltes Licht ist grünlich bis bläulich. Auf der anderen Seite des Farbrades treffen sich Rot und Blau im Violett, wo es auch eine eher warme oder kalte Variante gibt. Beim Sehen des Lichts können die Farbkontraste den Fotografen jedoch beim Sehen des Lichts (Helligkeit) behindern. Deshalb empfehle ich jedem die Fähigkeit der besseren Digitalkameras zu nutzen, und in RAW zu fotografieren und ein unabhängiges Farbprofil (wirkt nur auf das JPG) für Anzeige des Bildes in Monochrom anzulegen. Damit hat man Vorort die Lichtverhältnisse auf die Helligkeit beschränkt und kann die Farben nachher am Bildschirm bewerten.
Sollte es mehrere Lichtquellen geben, die unterschiedliche Farben haben, ist ein harmonisches Bild eine Herausforderung, die ohne Nachbearbeitung nicht bewältigt werden kann. 


Ich hoffe, diese Gedanken zum Umgang mit Licht bei der Fotografie helfen Euch.
Viel Spaß beim Fotografieren.




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