Die 10 wichtigsten Gebote für die Fotografie


Wer die Leidenschaft für Fotografie entdeckt, startet in ein neues Themengebiet, in dem sich bereits viele Menschen tummeln. Fast jeder hat ein Smartphone mit dem Momente des Alltags für spätere Erinnerung festgehalten werden. Einige haben sich etwas leistungsfähiger Kameras geholt, um auch schwierige Lichtsituationen zu meistern oder die Bilder besser kontrollieren zu können. Doch alle haben Spaß an der Fotografie und dass ist gut so. Hier möchte ich ein paar Gebote für die Fotografie aufschreiben, um die nächste Stufe zu erreichen.
Wenn es um den Moment geht, muss so viel wie möglich vorher schon klar sein. Model: Scarley Marley

§1 Denke nach bevor du abdrückst

Da Menschen mehr als die Summe ihrer bewußten Fähigkeiten sind, macht es Sinn, dass Du Dir als Fotografierender vorher bewußt machst, was Du fotografieren willst. Danach werden Deine Sinne und Dein Unterbewußtsein genau das, was Du darstellen willst in den Rahmen des Bildes zu positionieren.
Notiz aus der Praxis: Natalie's soulful PhotoArt und  ich haben uns dafür entschieden die Bilder niemals zu detaliert zu planen, sondern uns eher auf den Moods und die Szenario zu konzentrieren. Während des Fotografierens lassen wir uns dann von dem Instinkten im Hier und Jetzt inspirieren. Wir denken darüber nach was wir auf dem Bild wollen und spüren uns in das “wie” hinein.

Wähle Dein Werkzeug und bekomme heraus, was Du damit kannst und ob Du das damit machen kannst, was Du erreichen willst. Model: Marike Bra

§2 Kenne Dein Werkzeug

Es ist nicht notwendig alle high-sophisticated Features Deiner Kamera zu kennen, aber Du solltest wissen, wie die essentiellen Funktionen Deiner Kamera im manuellen Modus funktionieren. Sicherlich kann man je nach Situation auf Blenden- oder Belichtungs-Modus wechseln, aber wie man Blende, ISO, Belichtungszeit und Fokus setzt ist absolutes Basiswissen, dass ohne darüber nachzudenken beherrscht werden sollte. Du solltest wissen wie sich die Brennweiten Deiner Objektive an deiner Kamera auf das Bild auswirken. Ja, es gibt generelle physikalische Regeln, aber wichtig ist, dass Du es mit Deiner Kamera einschätzen kannst. So, kannst Du Dir auch Gedanken machen, wie Du das Bild erreichen kannst, das Du machen willst. Zu jedem Bild gibt es auch immer harte physikalische Herausforderungen.

Das Licht wird durch die Umgebung geformt. Nutze Deine Fähigkeit das Licht zu sehen! Model: Natalie Engel

§3 Jedes “Bild” wird bearbeitet

a, in diesem Punkt trenne sich die Gemüter. Es gibt die Naturalisten und die Photodesigner, die in diesem Gebiet komplett unterschiedliche Ansichten haben. Doch bevor die Gemüter hochkochen. Seit der digitalisierten Fotografierten ist es nicht möglich ein Bild ohne eine Software-Bearbeitung zu erhalten. Bereits die Kameras interpretieren die Informationen des Bildsensors und wenden ungefragt ihre Algorithmen an. In der Regel sind jedoch die Prozessoren der Kamera begrenzt und stehen in Konkurrenz zur Aufnahme-Geschwindigkeit. Deshalb sollte man sich immer im nach hinein noch einmal dem Bild widmen, um es noch besser zu machen. Eventuel sind es nur wenige Handgriffe wie beispielsweise korrektur Weißabgleich, Horizont richten, den Schnitt optimieren oder zufällige Störungen zu retuschieren.
Notiz aus der Praxis: Ich mache in der Regel noch ein wenig mehr, um dem Bild etwas mehr Energie zu geben und die Bildaussagen stärker herauszuarbeiten. Eine gute Fotografie lebt halt von der Reduktion und der Blickführung auf das Wesentliche. Doch der Grad der Bearbeitung steht auch immer in Relation zu dem Können und dem schöpferischen Willen des Fotografierenden. Finde da Deine Komfort-Zone und verlasse sie hin und wieder einmal, um sie zu erweitern.

Veredle Dein Bild durch Vordergrund, Motiv und Hintergrund. Wenn alles zusammenpasst gibt es dem Bild eine besondere Tiefe. Model: Marike Bra

§5 Schaffe Bildebenen

Gute Bilder unterstützen den Betrachter zwischen wichtigen Informationen (Motiv) und weniger wichtigen Informationen (Kontext) zu unterscheiden. Deshalb gewinnt ein Bild, wenn es zum einen ein klares Motiv hat und zusätzliche unscharfe Kontext-Informationen in Form von Hintergrund und Vordergrund. Dabei ist eine Freistellung des Motivs vom Kontext beeindruckend, da es dem Betrachter einfach nicht erlaubt auf die Bordsteinkante im Hintergrund zu achten anstatt auf den Lamborgini als Motiv. Das ist Blickführung und sichert Deine Botschaft im Bild gegen die Interessen des Betrachters. So kann es zum Beispiel passieren, das Schneider mehr auf den Stoffstruktur und die Nähte achten als auf die eigentliche Person, weil es ihre alltäglich Wahrnehmung ist. Deshalb beachte, was Du zeigen möchtest und nehme alles andere aus dem Fokus. Bei Dingen, die dem Bild sogar abträglich sind, wie z. B. Verkehrsschilder, sorge dafür, dass sie aus dem Bild verschwinden. Es muss nicht immer Photoshop sein, sei dabei kreativ.
Bei schwachen Lichtverhältnissen ist es notwendig ein Gleichgewicht zwischen ISO und Bildklarheit zu finden. Model: Scarley Marley


§6 Nutze die ISO mit bedacht

Die ISO ist Fluch und Segen zu gleich. Zu einen ermöglicht die ISO auch mit wenig Licht schnelle Bewegungen einzufrieren, wie beispielsweise Tanzen am Lagerfeuer. Aber auf der anderen Seite stören die Lichtabnehmer auf den Sensoren sich stärker und das Bild wird krisseliger. Das Ziel ist es, mit ISO 100 zu fotografieren, aber wenn die Situation es erfordert muss von dem Ideal abgewichen werden. Hier gilt ebenfalls §2: Kenne die ISO-Grenze deiner Kamera, an der die Körnung unerträglich wird. Da hat jede Kamera ihre eigene Grenze und es ist nicht der Maximalwert der ISO.
Notiz aus der Praxis: Da Natalie und ich eher im Available Light unterwegs sind, müssen wir ISO immer sinnvoll ausnutzen. Aber wir versuchen es immer so niedrig wie möglich zu halten.

Spontane Ideen einfach einmal ausprobieren und schauen, was am Ende dabei herauskommt. Model: Natalie Engel

§7 Einfach mal machen

Ich habe viel über Fotografie gelesen und mir auch einige Video-Tutorials angeschaut. Das ist auch eine sinnvolle Sache, um sich inspirieren zu lassen. Doch am Ende bekommt man die Handlungsfähigkeit nur durch ausprobieren und machen. Nur wenn Deine Finger und Dein Auge instinktiv wissen, was sie machen sollen, kannst Du es in der Situation abrufen. Deshalb kann ich dringend empfehlen Ideen und Ratschläge selber mit der Kamera auszuprobieren. Nicht aus jedem Test muss ein vorzeigbares Bild heraus kommen. Es reicht, wenn man etwas gelernt hat. Deshalb suche immer wieder etwas neues an dem Du Dich ausprobieren kannst und was Dich lockt. Abgesehen davon, dass Du Dich sicherlich auch Beständigkeit in deiner Fotografie entwickeln solltest, ist es ebenso wichtig sich von dieser Routine kreativ zu befreien, um sich weiterzuentwickeln. Wenn der Geist stehen bleibt, dann stirbt er. Entwickel Dich spielerisch weiter und Du behältst Dir Deine Freude am Fotografieren.

Deshalb kann ich jeden Fotografierenden nur raten: Probiert euch aus und lernt daraus! Im Zeitalter des digitalen Fotografie kostet es nichts, wenn Mal 100 Bilder mehr gelöscht werden müssen.
Notiz aus der Praxis: Da wir beide für unsere Hobby brennen, können wir uns - Gottseidank - in sehr vielen Projekten ausprobieren. Wir gestalten es meist so, dass wir sogenannte “Sichere” Bilder machen und zusätzlich einen kleinen experimentellen Anteil. So, haben die restlichen Teilnehmer einen sicheren Teil an Bildern und eventuell etwas Neues und Interessantes dazu. Natürlich haben wir auch Sessions, die sind zu 100% experimentell, die sind dann aber genauso angemeldet.

Jedes Bild sollte dem Betrachter die Möglichkeit geben, eine Geschichte darin zu erkennen. Model: Marike Bra

§8 Geb dem Bild Inhalt

Als gute Daumenregel für gute Bilder gilt es: Wenn Du dem Bild keinen Titel geben kannst, dann hat es keinen relevanten Inhalt. Das ist vielleicht etwas plakativ und undifferenziert formuliert, trifft aber die Idee eines Bildes. Es hilft Dir einen Bild von einen Abbild zu unterscheiden. Ein Bild hat eine Aussage, die auch zu einem Titel zusammengefasst werden kann. Manche Titel klingen trivial “Sonnenuntergang auf der Schlei”, und andere klingen nach Buchtiteln “Neid frisst Seele”. Hierbei hilft es vor dem Bild kurz inne zu halten und §1 zu berücksichtigen.
Notiz aus der Praxis: Bei unseren Sessions sind wir bereits vorher so auf den Mood geeicht, dass wir instiktiv nach den Bildern mit Inhalt suchen. Es fühlt sich nicht nach einem bewußten Suchen nach Bildinhalt an, sondern wir schauen nur noch, wie wir unser inneres Bild am besten in den Kasten bekommen.
Mit dem Licht, dem Motiv und den Fähigkeiten deines Equipments erschaffst Du die Bilder.
Versuche die Grenzen Deines Gerätes zu kennen.

§9 Nutze Deine Geräte bis an die Grenzen

Technik ist das Werkzeug, um ein Bild zu machen. Aber es erschafft nicht das Bild. Lerne mit den Werkzeug zu arbeiten, das du hast. Erst wenn du die Fähigkeiten, Vorteile und Nachteile kennst, kannst Du beurteilen, ob ein neueres Teil Dir wirklich für Deine Bilder etwas bringt.
Die Kamera ist kein Ersatz für Deine Fähigkeiten und Deine Perspektive. Das Werkzeug sollte der Bildidee folgen und nicht anders herum.
Es ist sinnvoll sich gutes Werkzeug zu kaufen, aber es ist unsinnig immer neuer, größer und schnelleres Gear zu haben. Verstehe wie ein Bild funktioniert und Du wirst mit einfachen Mitteln tolle Bilder erschaffen. Der Verstand und die Instinkte machen das Bild, die Kamera und das ganze Zubehör ist nur das Werkzeug, dass du nutzt.
Wenn man zusammenarbeitet, ist es dem Ergebnis zuträglich, das alle sich mit Freude daran beteiligen. Model: Fanny Wi

§10  Habe Spaß an der Fotografie

All die Technik und all die Tutorials zum besseren Fotografieren sind hilfreich, wenn Du nach einer Idee suchst, wie Du Dein “Bild im Kopf” auf Fotos bekommst. Aber das allerwichtigste ist, dass es Dir eine innere Befriedigung gibt. Sicherlich kann man es des Geldes wegen machen, oder weil irgendjemand etwas von Dir erwartet. Aber nur wenn die Kreativität in dir brennt, dann erhältst Du auch die Belohnung von dem Ergebnis, die Dich dazu veranlasst immer weiter zu machen.

Am Ende des Tages ist es wichtig, dass Du etwas gelernt hast und in Deinen Bemühungen bestärkt wurdest. So, öffnen sich immer neue Türen für Dich. Model: Scarley Marley

Finde Deinen eigenen Weg

Finde heraus, was Dir Spaß macht. Im Laufe deiner Entwicklung wird es sich verändern, da sich Deine Welt und Deine Wahrnehmung mit dem Fotografieren verändern wird. Nur mit deiner Leidenschaft ist es möglich den Weg weiter zu gehen.

Vielen Dank an die Models für die spontanen Übungssessions:


Vielen Dank für die Session in den Herrenhäuser Gärten, Hannover:


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